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Dienstag, 21. Jänner 2003 19:15
Kategorie: Wochenzeitung
Von: Leopold Kogler

Purer Bühnenzauber

NÖN WOCHE 04/2003, 21. 1. 2003, Seite 53 PREMIERE / Das Stück "Der nackte Wahnsinn" bietet eine souveräne Dialogregie, sehr reizvolle Texte sowie subtile, ehrgeizige Sketches.

Große Aufregung herrscht auf der Bühne des Haager Theaterkellers. Foto: Karl Fuchs

Völlig erstarrt blicken die Schauspieler auf die Szene. Was passiert, kann man sich bei den Aufführungen ansehen.
Foto: Karl Fuchs

HAAG / Es ist Generalprobe. Die Premiere steht bevor. Die Nerven des Regisseurs sind blank gelegt und die Akteure kämpfen mit Sardinentellern, Telefonhörern und zeitgerechten Auftritten. Alles ist in hektischer Bewegung. Es eifersüchtelt und man huldigt der Liebe. Und das im Haager Theaterkeller, wo die Boulevardkomödie "Der nackte Wahnsinn" zu Lachsalven hinreißt ob so viel herzhaften Theaterspaßes.

Um es vorweg zu nehmen: Was Regisseur Daniel Pascal und sein Bühnenbildnerpaar Edith und Hans Hengst diesmal im Haager Gewölbe geschaffen haben, sprengt wohl alles Bisherige. Opulenter, hektischer, turbulenter, herzlicher und bunter lässt sich die so genannte "leichte Muse" kaum realisieren.

Mit seiner Inszenierung hat Pascal ganze Arbeit geleistet. Er zeigt nicht nur fabelhaft die Wirren auf der Bühne vor einer Premiere. Er illustriert auch eine Theaterwelt, die an der Grenze der Belastbarkeit rotiert und er liefert unterhaltsame Charakterstudien.

Das Theaterkellerteam spielt mit viel Sentiment - bereitet dem Publikum einige Stunden kurzweiligen Theaterspaß.

So gibt Thomas Hartwagner einen vokal sicheren Trinker, der nebenbei als "Einbrecher" überzeugt - er ist der heimliche Publikumsliebling. Birgit Kuntner, Debütantin und liebenswürdig reizende Charmeurin Vicki, glänzt in ihrer leidenschaftlich-naiven Art.

In Michael Zintl-Reburg findet sich ein kerniger, bodenständiger Philip Brent, der von der Finanz verfolgt wird. Wolfgang Kettner als Roger Tramplemain steht ihm keineswegs nach. Ulrike Sauschlager ist Brents feine entzückende Ehefrau, zugleich der Ruhepol im Stück.

Gertraud Waldhör fügt sich exzellent mit ihrer aufregenden Rolle als Haushälterin in den wahnsinnigen Theaterreigen ein. Michael Kuttnig als genervter Regisseur leistet seine Arbeit mit Bravour.

Seine Inspizientin Samantha (Franziska Giese) und Regieassistentin Poppy (Andrea Forstmayr) fügen sich geschmeidig in das flotte Bühnentreiben ein. Alle Anerkennung der Haager Theaterbühne für diese Ensembleleistung.

Die Schauspieler weisen ausnahmslos ein angemessenes Nahverhältnis zur Inszenierung und zu bühnenwirksamen Komödiantentum auf. Sie agieren mit Herz und bleiben absolut nichts schuldig. Ein spezielles Theatervergnügen im Haager Theaterkeller.