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Donnerstag, 06. März 2014 13:53
Von: Robert Voglhuber

Hinreißende Kriminalkomödie

momag/märz 2014 Brave Diebe. Pointenreiches Ränkespiel der Kleptomanie.

mostropolis.at/didi

Bei dem Stück sind wir Theaterkritiker eine geschlagene Armee. Der anglikanische Humor von Jack Popplewell ist nicht zu toppen und die Damen und Herren des Haager Theaterkellers haben ganze Arbeit geleistet, alle mit ungebrochener Vitalität und komödiantischem Gespür für den richtigen Moment. Dafür muss auch die Regie sorgen. Daniel Pascal hat das im Griff. Sie sprechen mit Vergnügen, wir hören mit Vergnügen. Getrunken wird dauernd - zum Vergnügen.
  Im schmucken Tonnengewölbe des Haager Theaterkellers wohnt das Publikum zwar einem irrwitzigen Unterhaltungsstück bei, das aber ein klein wenig mehr ist als nur triviale Zerstreuung. Der Plot ist die Konzeption eines kleptomanischen Kleinkriminals, possenhaft und kurzweilig aufgebaut und unterhaltsam satirisch auf gehobenem Sprachlevel. Das Schöne an dem Stück sind die tollen Pointen, die man sich gleich im Gedächtnis behalten möchte. Wie geschmiert die Akteure das gesellschaftliche Vokabular aus dem Effeff beherrschen, da kommt man als Laie nicht ran.

Verführungswesen und Aristokratenschnösel
Die Haager Theaterleute haben ja Talent, ja eigentlich die Pforte zur Berufung schon einen Spalt offen. Ein herzliches und schnippisches Verführungswesen gibt Melanie Schuhbauer als Diebin Penelope. Dem Aristokratenschnösel David Warren kommt es nicht darauf an, was er kann, sondern wer er ist. Ein Beruf oder Arbeit würde beim Leben nur stören. Mit seinem Bekehrungseifer erwirkt er wenigstens bei Penelope eine Suchtkonversion vom Stehlen zum Vermählen.
  Überzeugend in ihrer Natürlichkeit und Neugier spielt Irmi Gruber die Lady Warren, die Diva der Gesellschaft. Michael Zintl-Reburg, obgleich subaltern in seiner gespreizten Rolle als Butler Wilkinson, gibt dennoch dem Handlungsgerüst das haltende Band.
  Wie sich's gehört in einer Kriminalkomödie ist der ermittelnde Inspektor immer parodierend dienstbeflissen - und pragmatisch, entschlossen und unbeugsam. Glänzend karikiert Martin Dreiling in dieser Rolle die Figur seiner selbst. Gekonnt exaltiert im Ränkespiel ist Julia Kastner als Warrens eifersüchtige Verlobte Helen. Walter Ludwig versteht sich bestens auf zeremoniöse Gemessenheit in Ausdruck, Bewegung und Handküssen des Profikleptomanen, Wort- und Tatsachenverdrehers Benjamin Peabody, der in wunderbar geformtem adelsstolzen Narrativ mit seinen Vorfahren protzt, so dass man sich lebhaft an eine Karotte erinnern kann. Bei der liegt auch das Beste unter der Erde. Klassenbewusstsein und Standesdünkel werden ironisiert. Es kommt darauf an, welche Ebene man davon erfasst. Im realen Leben ist das Lächerliche nicht lustig, die Bühnenkomödie lebt davon und macht daraus ein unterhaltsames Stück für einen vergnüglichen Abend.

Termine/ 21.2.-12.4., Fr & Sa, 20h
Theaterkeller Haag, 07434 44600
www.theaterkeller.at