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Mittwoch, 13. Februar 2019 14:12
Von: Eva Hammer

Völlig egal, wer die Juwelen stiehlt

„Glamour, Gauner und Juwelen“: Turbulente Boulevardkomödie in Haag

Grace Gervaise (Irmi Gruber), Oscar Gervaise (Peter Woy) und Gloria (Sieglinde Hauser)© Hammer

Die alljährliche Boulevardkomödie feierte am Samstag im Theaterkeller der Stadt Haag Premiere. In das genre-typische Grundrezept von „Glamour, Gauner und Juwelen“ mixt Autor Robin Howdon Ingredienzien wie Juwelen und die Filmfestspiele von Cannes, wo eine alternde Diva nebst Ehemann, Liebhaber, Dieb und einer jungen Schönheit agieren.

Binnen weniger Minuten herrscht völliges Chaos

Binnen weniger Minuten herrscht totales Chaos: Wer ist Ehemann, wer Liebhaber, Agent, Paparazzo oder Dieb, und warum ist die Diva auf dem Sofa ohnmächtig oder gar tot? Der Zuschauer weiß alles, die Bühnenfiguren tun alles, um Spaß, Verwirrung und Verwechslungen auf die Spitze zu treiben. Kampfkunsttricks in Bud-Spencer-Qualität begeistern. Warum wer gerade wen zusammenschlägt oder vermeintlich ermordet, tut nicht viel zur Sache, Logik und Motive spielen Nebenrollen. Wenn der Dieb den echten oder falschen Schmuck auf offener Bühne ein gefühltes Dutzendmal klaut, um ihn gleich darauf wieder heimlich zurückzulegen, dient das einzig dem spontanen Gag. Christopher Schulze überzeugt dabei mit Geschicklichkeit, zugleich mit Dauerpanik, die er mehr oder weniger erfolgreich zu verbergen versucht. Hut ab vor Regisseur Martin Dreiling, der die erforderliche Präzision so perfekt in Zeit und Raum setzt. Chefkomiker ist Bernhard Oppl.

Mit hemmungslos outrierender Gestik und Mimik genießt er sichtlich die Rolle des gerissenen Hoteldirektors und seinen konsequent überzeichneten französischen Akzent. Den gefeierten Star der Filmfestspiele spielt Irmi Gruber, die als resolute Diva nach Ohnmachten und Liebhabern letztlich doch noch dem eigenen Gatten erliegt. Michael Zintl-Reburg gibt einen Schauspieler, der auch als Exzentriker natürliche Noblesse wahrt. Peter Woy als aufbrausender Ehemann gerät dem Gegenüber zunehmend aus den Fugen. Lisa Hauser gelingt ein Hauch von Distanz zur Rolle, wenn sie sich als gar nicht arg abgeneigtes Lustobjekt in knallengen Klamotten lasziv zu bewegen hat.

Es sind wohl nicht nur die Herrschaften im Stück ein wenig überwutzelt, auch das Grundschema des gesamten Genres schaut ein wenig alt aus. Empfehlung: zwei Stunden abschalten, gute Schauspieler und ebensolche Schmähs genießen.