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Dienstag, 04. Februar 2020 15:52
Von: Gerald Winterleitner

Das schrillste "Stille Nacht" aller Zeiten frisst sich in den Gehörgängen fest

HAAG: "Weihnachten auf dem Balkon", eine rasante Komödie im Theaterkeller Haag

Fotos: Gerald Winterleitner

Einfach nur ruhig auf dem Sessel im Theaterkeller Haag zu sitzen, geht gar nicht. Dafür ist die Handlung von "Weihnachten auf dem Balkon" zu hektisch. Dafür fühlt man sich von der Handlung des Stücks zu sehr ertappt. Es ist eine Komödie, bei der die Lachmuskeln Schweißausbrüche provozieren und die Darsteller selbst nicht aus dem Schwitzen kommen. Denn jeder der sechs Akteure bekleidet zwei Rollen. Zwischen jedem Auftritt auf einem der beiden Balkone gilt es daher, hinter der Bühne blitzschnell die Kleidung zu wechseln. Da kann es schon einmal passieren, dass man das Kleid verkehrt herum überstreift.

Egal, das Stück lebt von der Rasanz, von der gnadenlosen Überzeichnung der Charaktere, davon, dass sich das Publikum als Teil dieses doppelten Familiendramas am Heiligen Abend fühlt. Allerspätestens beim gnadenlos falschen Solo von Julia Frisch werden alle Augen im Theatersaal vor Freude feucht: Der Gesang daheim vor dem Christbaum ist also doch nicht so schlecht. Aber Frisch intoniert in ihrer Rolle als Hochschwangere das "Stille Nacht" derart gekonnt schrill, dass es sich gnadenlos im Gehörgang festfrisst und einem ab nun bei jedem Weihnachtsfest ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird.

Herrlich in seiner Rolle als genervter Halbwüchsiger geht Stefan Parzer auf, Bernhard Oppl ist sowohl als Kleinkind wie als Gatte überdreht, Nadja Kreuzer mimt die genervte Mutter, Hausdame und Schwiegertochter perfekt. Bei Michael Zintl-Reburg stellt sich die Frage, ob sich ein betrunkener Weihnachtsmann ganz ohne Alkohol wirklich so realitätsnah spielen lässt, und Peter Woy haucht sogar einem Fleischer Liebenswertes ein. In Summe: Diese Komödie verdient es, gesehen zu werden.