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Dienstag, 04. Februar 2020 14:33
Von: Robert Voglhuber

Weihnachten, die reinste Katastrophe!

Theaterkeller Haag. Das Fest der Feste als perfekt chaotisches Bühnentohuwabohu in Szene gesetzt.

© Gerhard Stubauer

Diesen komödiantischen Nachruf auf Weihnachten sollten sich Theaterfreunde auf keinen Fall entgehen lassen. Austragungsort des feierlichen Weihnachtsfests sind zwei Familien auf benachbarten Balkonen – mit rasantem Szenenwechsel.
  Unter der Regie von Martin Dreiling sind die Figuren im komödiantischen Habitus zum Gaudium des Publikums zwar stark überzeichnet, aber doch so lebensnah. Beim Fest der Liebe und der Verheißung tun sich Abgründe auf, und das so komisch und absurd, dass kein Auge trocken bleibt. Eine Pointe jagt die andere in einer flotten Dialogführung; besinnlicher Humor, den man sich in einem Weihnachtsstück vielleicht auch erwarten würde, ist aus dem knackigen Sprüche-Repertoire nicht herauszuhören, dafür umso mehr Maliziöses und Gemeines. Hierfür ist genügend Konfliktstoff vorhanden; beeindruckend und professionell gespielt. Davon waren bei der Premiere im vollbesetzten Theaterkeller alle überzeugt.                               
  Skurrile Szenen und Situationskomik wechseln im flotten Schauplatzwechsel einander ab. Alle sechs Darsteller zeugen von guter theatralischer Qualität, fesseln das Interesse. Das Stück macht Spaß beim Mitdenken, denn so manche Szene macht betroffen und weckt Erinnerungen an Kalamitäten in der eigenen Familie. Es liegt am eigenwilligen Humor, der das Stück mit Recht zu einem modellhaften bürgerlichen Lustspiel macht. Es gibt sicher wenige von dieser Qualität. In der Figurenkonstellation schöpfen alle in bester Spiellaune ihre Motivationsreserven aus. Julia Frisch, Bernhard Oppl, Michael Zintl-Reburg, Nadja Kreuzer, Peter Woy und Stefan Parzer präsentieren ein hoch amüsantes Spektakel, ein katastrophales Weihnachtschaos, das schließlich doch ins Happy End mündet. Da fallen die Hühner vor Lachen tot von der Stange!

momag 378 | februar 2020